Wirtschaftliche Entwicklung und Rahmenbedingungen
Im Jahr 2024 stand die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands weiterhin unter herausfordernden Vorzeichen. Internationale Krisen, strukturelle Schwächen und versäumte Transformationen belasteten nahezu alle Wirtschaftsbereiche spürbar.
Im Folgenden stellen wir Ihnen kurz die Rahmenbedingungen für unsere Unternehmenspolitik dar.
Unternehmen im Belastungstest –
schwache Konjunktur, sinkende Gewinne
Die Konjunktur hat sich 2024 weiter eingetrübt: Viele Unternehmen sahen sich mit zurückgehender Nachfrage, steigenden Kosten und wachsender Planungsunsicherheit konfrontiert. Das Bruttoinlandsprodukt sank um 0,2 Prozent. Im europäischen Vergleich rutschte Deutschland damit ans untere Ende der Rangliste.
Die Kombination aus dem anhaltenden Krieg in der Ukraine und innenpolitischen Unsicherheiten wirkte zusätzlich belastend. Die Folge: ein deutlicher Rückgang der Unternehmens- und Vermögenseinkommen um 9,3 Prozent. Besonders Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge und Ausrüstung wurden stark reduziert. Parallel dazu nahm die Zahl der Unternehmensinsolvenzen spürbar zu – ein klares Signal für die schwache Gewinnentwicklung im produzierenden Gewerbe.
Ein strukturelles Risiko bleibt die zögerliche Transformation. Die Bundesrepublik hat erneut zentrale Chancen in der Mobilitäts- und Energiewende verpasst. Damit drohen langfristige Wettbewerbsnachteile in Schlüsselbranchen.
Exportzahlen sinken – internationale Handelsbeziehungen unter Druck
Auch außenwirtschaftlich zeigte sich die Lage angespannt. Der Export von Waren und Dienstleistungen ging um 0,8 Prozent zurück. Besonders stark war der Rückgang im Handel mit China – einem der wichtigsten Partner für die deutsche Wirtschaft.
Diese Schwäche spiegelte sich in der Industrieproduktion wider: Maschinenbau, Automobilbranche, Chemie- und Metallindustrie verzeichneten deutliche Rückgänge. Der internationale Wettbewerbsdruck – vor allem durch China – nimmt spürbar zu. Bei zentralen Industriebereichen wie Fahrzeugtechnik, Maschinenbau und chemischen Erzeugnissen gewinnt China weiter an Marktanteilen.
Die deutsche Exportwirtschaft steht damit vor der Aufgabe, ihre Position durch Innovation, neue Absatzmärkte und stabile Rahmenbedingungen neu zu festigen.
Verbraucher zwischen Entlastung und Zurückhaltung
Auf Verbraucherseite zeigten sich 2024 differenzierte Entwicklungen. Die Zahl der Erwerbstätigen blieb mit 46,1 Mio. hoch. Die Arbeitslosenquote stieg jedoch leicht auf 6 Prozent. Gleichzeitig erhöhten sich die Löhne im Durchschnitt um 5,3 Prozent – insbesondere durch starke Tarifabschlüsse.
Erfreulich: Die Inflation sank auf 2,2 Prozent im Jahresdurchschnitt. Zusammen mit dem Lohnplus ergab sich ein realer Einkommenszuwachs von 4,5 Prozent – ein seltener Lichtblick in einem ansonsten schwierigen Wirtschaftsjahr.
Gleichzeitig stiegen die Ausgaben in wichtigen Lebensbereichen: Wohnen, Wasser und Energie verteuerten sich leicht (+0,5 Prozent), Mobilitätskosten stiegen um 2,1 Prozent, Gesundheitskosten sogar um 2,8 Prozent. Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit wuchs die Sparneigung – die Sparquote erreichte ein Niveau wie zuletzt in den 1990er-Jahren.
Die jüngst in Kraft getretenen Zölle der US-amerikanischen Administration treffen Deutschland als exportorientierte Wirtschaft besonders hart. Gerade die Zölle auf Schlüsselbranchen wie Automobil- und Maschinenbau beeinträchtigen stark die Wettbewerbsfähigkeit. Hinzu kommt die starke Beeinträchtigung von globalen Lieferketten, die gleichfalls die Zulieferindustrie unter dieser Politik leiden lässt. Die konkreten Folgen bzw. das Bestehenbleiben der Zölle oder deren Höhe sind zurzeit nicht absehbar, doch ist zu vermuten, dass sinkende Exporte, hohe Unsicherheiten für Unternehmen und ein schwächeres Wachstum damit einhergehen. Mit einer neuen Ausrichtung, z. B. der Erschließung neuer Märkte, könnte sich Deutschland unabhängiger von den USA machen und somit die Auswirkungen auf den Markt dämpfen.
Die Lage der deutschen Grundstücks- und Wohnungswirtschaft
Die deutsche Grundstücks- und Wohnungswirtschaft war auch 2024 erheblich gefordert. Sie bleibt mit einem Anteil von rund 10 Prozent an der Bruttowertschöpfung zwar ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, steht jedoch vor gravierenden strukturellen Herausforderungen. Rund 504.000 Beschäftigte arbeiteten 2024 in dieser Branche – Tendenz erstmals rückläufig.
Ein hohes Zinsniveau, gestiegene Baukosten und komplexe regulatorische Anforderungen belasteten die Bauwirtschaft erheblich. Die gesamte Branche schrumpfte im Jahresverlauf um 3,8 Prozent. Besonders betroffen: der Wohnungsbau mit einem Rückgang von 5 Prozent bei den Bauinvestitionen.
Belastung durch hohe Preise und sinkende Auslastung
Trotz einer Entspannung der Preisentwicklung gegenüber den Vorjahren blieben die Baupreise auf einem hohen Niveau. Die Ursachen: hohe Energie- und Materialkosten, komplexe Vorgaben, anhaltende Lieferkettenprobleme und ein Rückgang der Kapazitätsauslastung.
Während die Auslastung in den Vorjahren bei bis zu 90 Prozent lag, sank sie 2024 auf unter 70 Prozent. Viele bauausführende Unternehmen melden eine unzureichende Auftragslage. Besonders betroffen ist das Ausbaugewerbe. Gleichzeitig wurde ein Beschäftigungsrückgang im Bauhauptgewerbe registriert – ein Trend mit potenziell negativen Folgen für den nachgelagerten Innenausbau.
Nicht nur der Neubau ist betroffen: Auch Bauleistungen im Bestand gingen spürbar zurück. Das Missverhältnis von Angebot und Nachfrage sowie fehlende Kapazitäten führen zu einem weiteren Anstieg der Baupreise.
Zunehmende Unsicherheit für Investitionen
Bedingt durch steigende Energiepreise und staatliche Forderungen aufgrund der festgesetzten Klimaziele nahmen die energetischen Baumaßnahmen zu. Diese sorgten so für leichte Stabilisierungseffekte in der Baubranche und kompensierten teilweise die weggebrochenen Neubauinvestitionen. Insgesamt bleiben jedoch die Rahmenbedingungen schwierig. Ohne gezielte Förderung könnten sich Investitionen künftig noch stärker reduzieren.
Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist eine Trendwende frühestens 2026 zu erwarten – mit gedämpften Erwartungen angesichts des anhaltend hohen Wohnraumbedarfs.
Die Mietpreise steigen weiter: Laut Zensus 2022 liegt das durchschnittliche Mietniveau in Deutschland bei 7,28 Euro/Quadratmeter. Ohne ausreichende Neubautätigkeit und bei konstant hohen Baukosten ist mit einem weiteren Mietanstieg zu rechnen.
Trotz des dringenden Bedarfs an Wohnraum sind somit auch in den kommenden Jahren herausfordernde Zeiten für die Branche zu erwarten. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sind gezielte Fördermaßnahmen und politische Rahmenbedingungen erforderlich, die den Wohnungsbau nachhaltig unterstützen.
Die wirtschaftliche Lage in Hamburg
Stabilität und Wachstum trotz Gegenwind
Trotz bundesweiter Krisensignale zeigt sich Hamburgs Wirtschaft 2024 widerstandsfähig. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum nominal um 5,4 Prozent und real um 2,2 Prozent. Auch das Baugewerbe entwickelte sich im Gegensatz zum Bundestrend leicht positiv.
Die Zahl der Erwerbstätigen nahm weiter zu und erreichte 1.362.300 Personen. Gleichzeitig besteht weiterhin ein erheblicher Fachkräftebedarf – laut Hamburgischem WeltWirtschaftsInstitut fehlen rund 200.000 Fachkräfte in der Hansestadt.
Wachsende Stadt mit differenzierter
Bevölkerungsentwicklung
Ende 2023 lebten etwa 1,85 Mio. Menschen in Hamburg, davon 42 Prozent mit Geburtsort in der Stadt. Die Einwohnerzahl wächst weiter. Prognosen gehen davon aus, dass bis 2030 erstmals die Marke von zwei Mio. erreicht wird.
Besonders junge Erwachsene von 18 bis 29 Jahren zieht es für ihr Studium, ihre Ausbildung oder ihren Berufseinstieg in die Stadt – ihr Anteil liegt bei 15,7 Prozent. Der Anteil der über 50-Jährigen liegt bei 37,7 Prozent. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung beträgt 42 Jahre – deutlich jünger als im Bundesschnitt (44,6 Jahre). Gleichzeitig zeigt sich ein gegensätzlicher Trend bei jungen Familien: Sie weichen zunehmend ins Umland aus – auf der Suche nach mehr Wohnfläche und niedrigeren Preisen.
Aktuell sind 54,9 Prozent der 1,1 Mio. Haushalte in Hamburg Singlehaushalte. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person liegt bei 38,8 Quadratmetern.
Immobilienmarkt: Preiskorrektur bei anhaltend
hoher Nachfrage
Nach Jahren starker Preissteigerungen erlebte der Hamburger Immobilienmarkt in den vergangenen zwei Jahren eine deutliche Korrektur: Die Preise für Mehrfamilienhäuser sanken um rund 23 Prozent. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis lag bei rund 3.150 Euro – das entspricht dem 23,5-Fachen der Jahresnettokaltmiete.
Trotz des Preisrückgangs bleibt die Nachfrage nach Immobilien in Hamburg hoch, insbesondere in zentralen Lagen. Der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum ist groß und fördert politische Diskussionen.
Wohnungspolitik: Bündnis für das Wohnen
zeigt Wirkung – aber Ziel verfehlt
Das Bündnis für das Wohnen in Hamburg, das seit 2011 zwischen dem Senat und der Immobilienwirtschaft besteht, verfolgt das Ziel einer sozialverträglichen Erhöhung der Neubauaktivitäten. 2024 wurden 6.710 neue Wohnungen genehmigt – rund 25 Prozent mehr als im Vorjahr, jedoch erneut unter dem angestrebten Ziel von 10.000.
Hohe Fremdfinanzierungskosten, gestiegene Baupreise, aufwändige Genehmigungsverfahren sowie die ausschließliche Vergabe öffentlicher Grundstücke im Erbbaurecht erschweren eine stärkere Bautätigkeit.
Trotzdem bleibt Hamburgs Attraktivität als Wohn- und Arbeitsstandort ungebrochen – ein positiver Wanderungssaldo unterstreicht die Perspektive der „wachsenden Stadt“ und bildet eine gute Wirtschaftsgrundlage für Wohnungsunternehmen wie die HBH.
Unternehmenspolitik –
Verantwortung und Weitblick
Transformation als Daueraufgabe
Die Wohnungswirtschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Themen wie Energiesparen, Nachhaltigkeit und Digitalisierung prägen das Wohnen und verändern die Anforderungen an Wohnungsunternehmen grundlegend.
Die Hanseatische Baugenossenschaft Hamburg hat sich frühzeitig auf diesen Wandel eingestellt und gestaltet ihn aktiv mit. Unser Handeln ist dabei geprägt von einem klaren Ziel: sozialen, bezahlbaren und klimagerechten Wohnraum für unsere Mitglieder zu schaffen und zu sichern.
Klimapfad und Investitionsstrategie
Bereits seit den 1990er-Jahren modernisieren wir unseren Wohnungsbestand kontinuierlich und energetisch. Die Reduktion von CO₂-Emissionen ist für uns ein zentrales Anliegen. Auf der Grundlage unseres Investionsfahrplanes, der in engem Zusammenhang mit der jährlich für die Genossenschaft erstellten CO₂-Bilanz steht, steuern wir unseren Weg in die Klimaneutralität bis 2045.
Eine mögliche Vorverlegung dieses Ziels auf 2040 – wie sie in Hamburg politisch diskutiert wird – sehen wir aus Unternehmenssicht kritisch. Zwar unterstützen wir grundsätzlich die klimapolitischen Zielsetzungen, doch warnen wir vor steigenden Kosten, die insbesondere die Bezahlbarkeit von Wohnraum gefährden könnten.
Soziale Verantwortung und Mitgliederbeteiligung
Als Genossenschaft ist es uns wichtig, unsere Mitglieder frühzeitig in geplante Maßnahmen einzubeziehen. Diese Beteiligung schafft nicht nur Vertrauen, sondern verbessert auch die Planbarkeit und Akzeptanz baulicher Maßnahmen.
Unser Mietenkonzept trägt aktiv zur Vermeidung von Gentrifizierung bei: Auch nach einer umfassenden Modernisierung sollen Bestandsmieter ihre Wohnung weiterhin bezahlen können. Dies gelingt durch eine gezielte Inanspruchnahme öffentlicher Fördermittel – insbesondere durch die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Zusätzlich engagieren wir uns für ein solidarisches Miteinander in den Quartieren. Dazu gehören die Kooperation mit dem Verein „Freunde alter Menschen e. V.“ zur Bekämpfung von Einsamkeit im Alter sowie der Einsatz des Concierge-Services, der älteren Mitgliedern bei alltäglichen Herausforderungen hilft.
INVESTITIONEN 2024
Tabelle nach rechts und links swipen.
Investitionstätigkeit 2024
Auch die Förderung junger Menschen ist uns ein Anliegen: Mit gezielten Angeboten zur Jugendarbeit und Sozialarbeit stärken wir das generationenübergreifende Miteinander in unseren Wohnanlagen.
Mit dieser Haltung – zwischen ökologischer Verantwortung, wirtschaftlicher Vernunft und sozialer Verpflichtung – positionieren wir uns als verantwortungsvoller und zukunftsfähiger Akteur im Hamburger Wohnungsmarkt.
Investitionen – Nachhaltigkeit und
Lebensqualität im Fokus
Strategische Ausrichtung der Investitionen
Unsere Investitionen folgen konsequent unserer Klimastrategie:
Im Jahr 2024 entfielen rund 40 Prozent der Mittel auf den Neubau, 50 Prozent auf die Instandhaltung des Wohnungsbestandes und 10 Prozent auf energetische Modernisierungen.
Instandhaltung bleibt Priorität
Auch 2024 haben wir umfangreich in die Instandhaltung investiert. Neben energetischen Sanierungen umfassten die Maßnahmen:
- Hydraulischen Abgleich bei gasversorgten Gebäuden
- Erneuerung von Aufzugsanlagen
- E-Check und malermäßige Instandsetzungen bei Wohnungswechsel
Steigende Lohn- und Materialkosten stellen dabei eine Herausforderung dar – sowohl für Neubauten als auch für die Erhaltung des Bestandes. Dennoch bleibt unser Anspruch bestehen: ein moderner und energieeffizienter Wohnungsbestand.